Neuropathie:

Die Schädigung der peripheren Nerven ist eine der häufigsten Komplikationen bei Diabetikern. Sie kann sehr schmerzhaft sein, das Syndrom des Diabetischen Fußes verursachen und im Extremfall zur Amputation des Beines führen.

Was versteht man unter Neuropathie?
Es handelt sich um eine Schädigung der peripheren Nerven (die im Rückenmark beginnen und bis zu den Muskeln des Beines oder bis in die Haut ziehen).
Betroffen sind drei Gruppen von Nerven:

  • Motorische Nerven, die die Befehle des Gehirns an die Muskeln weiterleiten und die Bewegung ermöglichen

  • Sensible Nerven, die die Empfindungen des Körpers an das Gehirn leiten

  • Autonome Nerven, deren Tätigkeit unbewusst ist und die die inneren Organe und die Blutgefäße innervieren. Die Schädigung dieser Nerven ist auch für die erektile Dysfunktion bei Männern verantwortlich, die zur Impotenz führen kann.

Dementsprechend spricht man von einer gemischten Neuropathie, wenn mehrere Arten von Nerven betroffen sind (am häufigsten).
Die Symptome sind je nach Art der betroffenen Nerven unterschiedlich:

Meist klagen die Patienten über Brennen, Kribbeln, Bamstigkeit und manchmal auch heftige, stechende Schmerzen an den Beinen. Es kann Müdigkeit der Muskulatur, Muskelschwund und Schwäche (v.a. beim Stiegensteigen) auftreten.
Meist tritt die Neuropathie zuerst an den Füßen und Beinen auf, kann aber prinzipiell alle Stellen des Körpers betreffen.

Wichtig ist die Unterscheidung einer Neuropathie von einer Arterienverengung (Arteriosklerose): Bei der Neuropathie treten die Schmerzen meist in Ruhe auf und bessern sich bei Bewegung (nächtliches Aufstehen). Bei der Gefäßverengung hingegen kommt es zu Schmerzen in den Beinen bei Bewegung (Schaufenster-krankheit, Claudicatio intermittens), die sich in Ruhe bessern (der Patient bleibt stehen und die Schmerzen verschwinden).

Wenn Sie nicht sicher sind, welcher Art Ihre Beschwerden zuzuordnen sind, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, der sich mit Diabetes mellitus beschäftigt. Durch verschiedene Untersuchungen kann man Neuropathische und Angiopathische Beschwerden genau unterscheiden. Dies ist v.a. für die Therapie wichtig.

Eine Therapie der Neuropathie ist schwierig und oft müssen bei einem Patienten verschiedene Medikamente ausprobiert werden.
Therapie:

Die wichtigste Maßnahme bei der Therapie der Neuropathie ist eine möglichst gute BZ-Einstellung! Viele Patienten berichten, daß sich bei schlechten BZ-Werten ihre neuropathischen Schmerzen verstärken und wenn sie besser eingestellt sind, auch wieder verschwinden. Es ist also wichtig, daß Sie häufig Ihren BZ testen und auf erhöhte Werte auch reagieren. Die Zeiten, in denen man bei Typ II Diabetikern einmal am Tag eine große Menge Insulin verabreicht hat, sollten endgültig vorbei sein!

Medikamentöse Therapie:
(Nehmen Sie auf keinen Fall Medikamente, ohne vorher Ihren Arzt konsultiert zu haben!)

Vitaminpräparate: z.B. Neurobion® oder Milgamma® (nur in Deutschland erhältlich) können versucht werden, helfen aber meist nur bei einem Teil der Patienten.

 

Thioctacid® der Fa Asta Medica. Dieses Präparat ist seit 1959 bekannt und wird seit langem zur Behandlung der diabetischen Neuropathie eingesetzt. Laut Asta Medica wird eine Besserung der Symptome bei etwa 70% der Patienten festgestellt.
Das Präparat wurde früher fast ausschließlich in Form von Infusionen gegeben, jetzt liegt es auch in Tablettenform vor. Wichtig ist, daß bei den Tabletten eine Tagesdosis von 600mg erreicht wird. Das Präparat sollte etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück eingenommen werden.
Idealerweise wird die Therapie mit einer Infusionsserie begonnen und anschließend in Tablettenform über mehrere Monate fortgesetzt.

Dzt. werden Studien durchgeführt, die zeigen werden ob eine vorbeugende Einnahme von Thioctacid bei Diabetes hilfreich ist.

Carbamacepin ist ein Stoff, der antiepileptisch wirkt und wird - wie auch andere Antiepileptika - zur Therapie der Neuropathie eingesetzt wird.
Der Erfolg ist gut, die Nebenwirkungen von Antiepileptika limitieren aber den Einsatz!

Insgesamt kann man sagen, daß in der Therapie der Neuropathie die gute BZ Einstellung am wichtigsten ist. Medikamente können eine Besserung unterstützen, ohne begleitende Blutzuckersenkung bleibt der Erfolg jedoch fraglich!